HINTERGRUND

Polen ist nach Deutschland der zweitgrößte Braunkohleproduzent in der Europäischen Union (EU). Die Tagebaue und Kraftwerke in der Region um Konin (Großpolen) gehören der privaten Aktiengesellschaft ZE PAK SA, dem zweitgrößten Braunkohleverstromer des Landes.

In den letzten siebzig Jahren, seit dem Beginn des Braunkohleabbaus, wurden in Großpolen über zwölf Milliarden Kubikmeter Grundwasser abgepumpt – das ist über siebzig Prozent des gesamten Fassungsvermögens aller polnischen Seen. Das Wasserniveau ist drastisch gesunken, die Uferlinien gehen zurück, Flüsse trocknen aus. Dabei ist Wasser in Polen ohnehin knapp – für jede*n Bewohner*in gibt es nur etwas mehr als 1500 Kubikmeter Wasser jährlich, ein Drittel des europäischen Durchschnitts. Periodische Wasserknappheit betrifft schon jetzt drei viertel des Landes. Die Situation in Großpolen ist dabei eine der schlimmsten. Auch die Landwirtschaft ist hiervon betroffen.

Darüber hinaus ist Polens Luftqualität eine der schlechtesten in der Europäischen Union. Die elektrische Energie wird zu achtzig Prozent aus Kohle gewonnen, Braunkohle bildet dabei dreißig Prozent. Polens Kraftwerke verursachen jährlich europaweit 5830 vorzeitige Todesfälle. Die meisten, auch drei Braunkohlekraftwerke von ZE PAK SA in Konin, müssen dank Ausnahmeregelungen nicht die Emissionsnormen der EU einhalten.

Die Braunkohletagebaue und Kraftwerke in der Region haben nicht nur auf die lokale Bevölkerung negative Auswirkungen, die von Lärm, Luft- und Wasserverschmutzung sowie Zwangsumsiedlung betroffen ist. Als fünftgrößter CO2-Produzent der EU trägt Polen auch maßgeblich zum Klimawandel bei, der schon jetzt das Leben von Millionen Menschen, vor allem im globalen Süden, zerstört. Dennoch wird Kohle politisch stark gefördert und spielt als „heimische“ Energiequelle eine wichtige Rolle auch in nationalistischen Diskursen. Die Klimagerechtigkeitsbewegung in Polen muss daher stärker werden. Das Klimacamp gibt dazu einen wichtigen Anstoß.

Close Menu